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Spannender Seminartag bei den Hundefreunden! März 2011

Thema: Körpersprache/Ausdrucksverhalten Hund/Hund

(auf gut deutsch: was geht ab bei Hundebegegnungen?)

Referentin: Perdita Lübbe , Hundeakademie Darmstadt

 

Ein herrlicher Tag! Eine stahlende Frühlingssonne empfing die Teil-
nehmer auf der Sophienhöhe in Erbach. Schon draußen vor dem
Vereinsheim entlockte der Duft von Frühstückseiern mit Speck jedem
Ankömmling ein spontanes und langgezogenes „Hmmh“. Von drinnen
aus dem Vereinsheim lockte der Duft frischen Kaffees. Und spätestens
beim Anblick des reichhaltigen Frühstückbuffets glaubte man sich eher
im Urlaub als auf Seminar. Die Stimmung war heiter, aber auch ge-
spannt, was dieser Tag wohl bringen werde…

 

 

 

Punkt 10.00 Uhr begann Perdita mit der Vorstellungsrunde, und schon
ging`s ab nach draußen zum Filmen. Zehn Hunde sollten in ihrer
Körpersprache untereinander gefilmt, angesehen und analysiert werden.
Hunde, die sich teils untereinander kannten, teils nicht kannten, kastrierte,
unkastrierte, junge und ältere Hunde und Hunde, die nach Aussagen
ihrer Besitzer „kritisch“ seien. Die hündische Frauenquote war eher gering,
denn es gab nur eine Hündin unter 9 Rüden.

Natürlich wurden nicht alle zehn auf einmal zusammengelassen, sondern
wohl dosiert - sollte ja kein Mord und Totschlag geben. Dem einen oder
anderen Hundebesitzer war schon etwas bange, seinen Hund auf die
„Bühne“ zu lassen, waren sie sich doch sicher, dass ihrer sich nicht verträgt…
Aber Perdita passte auf, beobachtete genau, gab den einen oder anderen
Kommentar zum Geschehen und ließ den nächsten Hund dazu holen oder
einen anderen wieder rausnehmen. Ihre Anweisungen richteten sich aus-
schließlich an die Menschen. Die Hunde konnten völlig frei agieren –
Herrchen und Frauchen sollten sich vollkommen zurückhalten.

 

 

 

 

Die Menschen erhielten knallharte Anweisungen wie: locker rumlaufen,
einfach weitergehen, weggehen, rumstehen, den Hund nicht angucken,
den Hund nicht ansprechen, den Hund nicht anfassen, nicht reden oder
jetzt lauter reden, nun einen fremden Hund streicheln,… und vor allem:
das Atmen nicht vergessen… ! ;-)

 

 

 

 

 

 

Die Zaungäste draußen sahen sich gut unterhalten, aber manch Hunde-
besitzer drinnen war schon seeehr angespannt und schien Blut und Wasser
zu schwitzen…

Die Vierbeiner unter sich nutzten die Gelegenheit, sich ausgiebig aus-
tauschen zu können. Da wurde geguckt, geschnüffelt, geschwänzelt, Fell
gestellt, gedroht, markiert, mit Blicken weggeschickt, gerempelt, gestoppt,
umkreist, abgedrängt, dazwischen gedrängt, abgeschirmt, Pfote aufgelegt,
bestiegen, gespielt, imponiert, provoziert, zurechtgewiesen und …und… und…
Und es gab keine Keilerei, auch nicht bei denen, die sich eigentlich nicht vertragen.

 

 

 

 

Auf der Leinwand sahen die Teilnehmer dann genauer, was sich draußen in
sekundenschnelle abgespielt hatte. Perdita erklärte, wiederholte Sequenzen,
ließ Zeitlupe laufen, stoppte das Bild, erklärte nochmal… und brachte so
wunderbar bildhafte Vergleiche, dass es nicht nur verständlich, sondern
regelrecht unterhaltsam war und es viel, viel zu lachen gab! So beschrieb
sie die Begegnung zweier jungen Rüden als harmloses Geplänkel, wie wenn
einer sagt: „Habe gerade meinen Porsche aus der Werkstatt geholt.“ und der
andere antwortet: „Mein Lamborghini muss auch bald zur Inspektion.“

 

 

 

Die Leinwand zeigte deutlich, wie unglaublich viele Signale die Hunde
untereinander austauschen, wie schnell deren Abfolge ist und wie schnell
sich eine Situation ändern kann! Es wurde deutlich, dass Hunde, die man
als „Opfer“ angesehen hatte, in Wirklichkeit rotzfrech waren und es regel-
recht darauf angelegten, mal eins auf`n Deckel zu kriegen. („Die schreien
nach Schlägen.“) Und Hunde, die als „kritisch“ gesehen wurden, sich super
souverän zeigten und es nicht nötig hatten, auf Provokationen einzugehen…
Es gab Hunde, die mit großer Präsenz und einem lauten „Halloooh, guckt
mal, was für`n toller Typ ich bin!“ in Begegnungen polterten - was nicht un-
bedingt einen guten Eindruck hinterlässt… Andere Hunde mieden das
Hauptgeschehen und schwammen lieber am „sicheren Beckenrand“.
Und wieder andere waren hauptsächlich damit beschäftigt, ihren Menschen
abzuschirmen. Und… und… und…

 

 

 

Auch gab es Ausflüge ins Thema Körpersprache Mensch/Hund. Wieder
war es die Leinwand, die deutlich zeigte, wer wen bewegt. Die Teilnehmer
waren verblüfft darüber, wie die Hunde uns Menschen bewegen, stoppen,
abdrängen oder unser Handeln beeinflussen! Was für uns niedlich, nach
Spielerei oder wie „zufällig“ aussieht, ist von Hund gezielt eingesetzt, um
uns zu manipulieren oder auch, um uns zu maßregeln. Was wir uns von
Menschen nicht gefallen lassen würden, erlauben wir unseren Hunden…

 

 

 

 

Dieser spannende und lehrreiche Tag war viel zu kurz - auch wenn die Teil-
nehmer gegen Ende des Seminars ziemlich platt und dank der Informationsflut
von Perdita nicht weiter aufnahmefähig waren. Sie hat eine besondere Art,
ihr Wissen zu vermitteln. Sehr verständlich und mit so viel Humor gespickt,
dass es locker und regelrecht unterhaltsam ist und trotzdem viele tiefe und
ernste Eindrücke hinterlässt.

Noch nach Tagen verdauten die Teilnehmer an dem Gesehenen und Gehörten.
Eine Teilnehmerin sagte, dass dieser Tag, trotz der vielen neuen Eindrücke wie
ein Tag Urlaub war!

Und das war nur die Spitze des Eisberges – wir lechzen nach mehr!

 

 

Text: Ute Lehr

 

Fotos: Thomas Möschner

 

 

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Körpersprachen-Seminar bei Perdita Lübbe von der
Hundeakademie Darmstadt 
 

            

(Bericht von Ute Lehr)

              

 

Ja, sie war bei uns im Verein. Manch einer hatte sie zuvor schon mal im
Fernsehen gesehen, einen Artikel von ihr in Hundezeitschriften gelesen
oder gar eines ihrer Bücher zu Haus. Aber sie „live“ mit all ihrem Wissen
und ihrer direkten aber lockeren Art zu erleben, war schon sehr beeindruckend!
Ein Multitalent! Man meinte, sie würde uns Vereinswürstchen schon ewig
kennen; sie merkte sich sofort die vielen Menschen- und die dazugehörigen
Hundenamen und vergaß keine Zwischenfrage. Auch entging ihr nicht, was
Menschen und Hunde in den Pausen trieben, oder so klitzekleine Unwichtig-
keiten wie getauschte Plätze einzelner Teilnehmer. Ein Multitalent mit
Rund-um-Antenne! Unheimlich, diese Beobachtungsgabe!  
Wahrscheinlich hat sie nebenher auch den Wasserverbrauch der Vereins-
spülmaschine registriert… Aber das nur so nebenbei….                                                            

 

Also nun zum Seminar: Thema war Körpersprache/Ausdrucksverhalten Mensch/Hund                                               

Es nahmen Vereinsmitglieder und Nichtvereinsmitglieder teil. In einer Vor-
stellungsrunde machte sie sich ein Bild der Teilnehmer, stellte hier und da
ein paar Fragen zum Hund, kritzelte sich Notizen und pickte am Ende genau
die Hund-Mensch-Gespanne zum Filmen und zur genaueren Besprechung
heraus, die ich als Übungsleiterin vorschlagen wollte. Na Bingo!

 

Zum Filmen hatte Perdita ihre persönliche Assistentin Silke mitgebracht.
Ein eingespieltes Team die beiden – die Non-verbale Kommunikation klappte
hier schon mal ganz hervorragend…

Die Frage des Tages: Wer bewegt wen? Oder: Wer agiert, wer reagiert?

Die Zuschauenden hatten`s ja gut, konnten locker dastehen, „beobachten“, sich
austauschen, Vermutungen munkeln und über Perdita`s und Silke`s Sprüche lachen…  
Die Gefilmten  dagegen hatten richtig Arbeit!!!  

 

Es gab keine Kommandos, kein Ziehen, kein Rucken, kein Gequassel… nur Körper-
sprache! …puh, wie ungewohnt für die menschlichen Plaudertaschen! Verbal kam
einzig und allein ein Lob über die Lippen- und das dann bitte im genau richtigen
Moment! Perdita gab genaue Anweisungen an die  einzelnen Teams. Und es schien
richtig anstrengend, ihren Worten zu folgen, …auf den Hund zu achten (oder so zu tun,
als sei er nicht da), …auf den eigenen Körper zu achten, …die Hände ruhig zu halten,
nicht an der Leine zu ziehen, …nicht zu reden, … gerade aus zu gehen ,… die An-
weisungen umzusetzen, …sich zu konzentrieren, … schnell genug zu „agieren“,
…konsequent dran zu bleiben, …und das Ganze nochmal… und nochmal… und dabei
gefilmt zu werden… und dann gucken auch noch 20 Leute zu! Die Gefilmten waren
fix und fertig – körperlich und geistig  (grins).

 

Die einzelnen Schritte der“ Entwicklung,“ bzw. die Veränderungen im Verhalten der Hunde
konnte man minutiös mit verfolgen. Und was staunte Mensch, als Hund schon nach kurzen,
aber eindeutigen körpersprachlichen Ansagen sein unerwünschtes Verhalten änderte! 
Hunde, die fremde Personen unerlaubt beschnüffeln oder gar anspringen wollten, blieben
bei Begrüßungen nun von sich aus artig neben oder gar hinter ihrem Frauchen stehen… 
Hunde, die immer und immer wieder die Leine straff zogen (und Herrchen schon alles,
alles
probiert hatte, um das zu ändern …), gingen plötzlich von sich aus locker mit…
Hunde, die bei Begegnungen mit Artgenossen, kläffend Leine und menschliche Schultern  
auf `s Übelste strapazierten, gingen nun schulter-und leinenschonend, also anständig vorbei…
 Alles ohne schroffe oder tütelnde Worte und  ohne „Leinenrucker“!  Und das alles innerhalb
weniger Minuten, weil Mensch seine Körpersprache richtig einsetzt!!! Die Hunde schienen 
erleichtert zu „denken“: Endlich hat mein Mensch es geschnallt und die Führung übernommen!

 

Weil das live Geschehene draußen für uns menschliche Pappnasen zu schnell ablief,
sahen wir uns  auf der Leinwand alles nochmal an. So konnten auch die „Gefilmten“
sehen, was sich „kommunikativ“ abspielte und sie staunten nicht schlecht. Die Leinwand
zeigte Tatsachen – nackte Tatsachen! Die Leinwand zeigte deutlich, wer agiert und wer
reagiert! Und  Perdita zeigte, erklärte, ermahnte, spulte zurück, erklärte, ließ Zeitlupe
laufen, zeigte, erklärte, erklärte, erklärte… und wusste auf alle Fragen was zu antworten….

 

Silke hat ja das „Paparazzi-Diplom“ und filmte gnadenlos auch Dinge, die sich ganz
nebenbei am Rande des Seminars oder in der Pause abspielten – also genau dann,
als Mensch sich mit seinem Hund unbeobachtet glaubte… . Auch diese harmlosen
„Randgeschehnisse“ wurden hinterher auf Film angeschaut und besprochen.
Einige Teilnehmer erkannten Dinge in ihrem Verhalten, über die sie sich zuvor nie Ge-
danken gemacht hatten -  und gelobten Besserung!

Tja, dieses Seminar ging eindeutig über Sitz, Platz und Fuß hinaus. Hier ging es um
die wichtigen Zwischentöne, hier ging es „an die Naht“ wie Perdita zu sagen pflegt…

Mit ihrer humorvollen, verständlichen und auf den Punkt gebrachten Art war dieser Tag
nicht nur wahnsinnig lehrreich, sondern fast schon unterhaltsam und definitiv zu kurz!                                        

 

So mancher Teilnehmer brauchte ein paar Tage, um aus seiner Erstarrung zu fallen.
Es fielen Sätze wie:   „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht!“ oder „Ich bin noch
ganz von den Socken.“ Oder „Ich konnte tagelang an nichts anderes mehr denken!“ …

Auf alle Fälle hat das Seminar tiefe Eindrücke hinterlassen!  Wir wollen noch mehr wissen!
Und wer weiß, vielleicht kommt noch ein weiteres zustande  – und das dann bitte 2 Tage!
Ich habe Hoffnung.

 

Liebe Grüße                                                                                                                                                                   Ute Lehr

 

Für Interessierte hier die Adresse der Hundeakademie Perdita Lübbe Darmstadt: 

www.HundeAkademie.de

 

Hundefreunde Erbach e.V. | info@hundefreunde-erbach.com